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Coanda-Effekt bei Einlaufsieben: Funktionsweise

Coanda-Einlaufsiebe nutzen ein hydrodynamisches Prinzip für selbstreinigende Wasserentnahme ohne bewegliche Teile und ohne Energiezufuhr. Dieser Artikel erklärt das Funktionsprinzip und die Einsatzgebiete.

Der Coanda-Effekt ist die Tendenz einer Flüssigkeit, einer gekrümmten Oberfläche zu folgen, anstatt sich in einer geraden Linie fortzubewegen. Bei einem Coanda-Einlaufsieb zieht dieses Prinzip Wasser durch die Spaltsiebschlitze ohne bewegliche Teile, Pumpen oder externe Energiezufuhr. Funktionsweise: Wasser fliesst über die Oberseite eines gebogenen Spaltsiebpaneels. Oberflächenspannung und der Coanda-Effekt bewirken, dass das Wasser der gekrümmten Drahtoberfläche folgt. Während das Wasser an der Oberfläche haftet, passiert es die V-Draht-Schlitze allein durch Schwerkraft und Oberflächenspannung. Schmutz, Blätter und aquatische Organismen, die zu gross zum Passieren der Schlitze sind, wandern über die Sieboberfläche hinweg und werden vom verbleibenden Durchfluss mitgenommen. Das Ergebnis ist ein selbstreinigendes Sieb ohne bewegliche Teile, ohne Energieverbrauch und ohne Bedienereingriff. Die Durchflusskapazität hängt von der Siebbreite, dem Drahtprofil, der Schlitzweite und der verfügbaren Wasserfallhöhe ab. Typische Installationen verarbeiten 50-500 Liter pro Sekunde pro Meter Siebbreite. Der Drahtneigungswinkel ist entscheidend. Eine Standardneigung von 3-5 Grad (maximal 7) erzeugt eine Scherkomponente, die die Wasserextraktion durch die Schlitze erhöht. Ohne Neigung gleitet ein Teil des Wassers, das die Schlitzöffnung berührt, darüber hinweg, anstatt hindurchzutreten. Typische Anwendungen: kleine bis mittlere Wasserkrafteinläufe (Laufwasserkraftwerke), Bewässerungskanaleinläufe, kommunale Rohwasserentnahme aus Flüssen und Bächen sowie Aquakultur-Wasserversorgungssysteme. Coanda-Siebe sind besonders nützlich an abgelegenen Standorten, wo Stromversorgung und Wartungszugang begrenzt sind. Konstruktionsparameter: Siebbreite (bestimmt die Gesamtdurchflusskapazität), Bogenradius (typisch 500-1500 mm), Schlitzweite (1-3 mm je nach Schmutzgrösse), Drahtprofil und Neigungswinkel sowie verfügbare Fallhöhe (mindestens 150-300 mm für zuverlässigen Betrieb).